Marken-Check: Der ARAL-Check |
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| Beschreibung: Es gibt knapp 15.000 Tankstellen in Deutschland. Fast ein Viertel des an deutschen Tankstellen verkauften Treibstoffes stammt von Marktführer ARAL. Und ARAL bietet nicht nur Treibstoff: Die blauen Tankstellen sind auch Supermarkt und Bäckerei. In der Bochumer Zentrale erfahren wir das Erfolgsrezept: "Wenn der Kunde unsere Tankstelle verlässt und das Gefühl mitnimmt, hier war alles super, hierhin komme ich gerne zurück, dann haben wir unser Markenversprechen erfüllt." Dafür zahlt der Kunde bei ARAL auch einen Aufpreis: Der Sprit kostet pro Liter ein bis zwei Cent mehr als an No-Name- oder Billigtankstellen. Vor 80 Jahren hatte ARAL als Erfinder des Superbenzins einen echten technologischen Vorsprung. Und heute? Glauben die Kunden immer noch an einen Qualitätsvorsprung von ARAL? Unser erster Check: Ist die Spritqualität wirklich besser? Wir besuchen eine Raffinerie. Sie gehört BP, der Muttergesellschaft von ARAL. Dort werden nicht nur konzerneigene Tanklastzüge beladen. Egal ob Esso, Jet oder sonstige: Jede Tankstelle in der Region wird von dort beliefert. Bekommt die preisgünstigere Konkurrenz also denselben Treibstoff? Nicht ganz, denn neben der Abfüllanlage lagern in kleinen Tanks die sogenannten Additive. Für jeden Anbieter gibt es einen Spezialcocktail verschiedener Chemikalien. Bevor ein Tanklastzug beladen wird, meldet der Fahrer ihn mit einer speziellen Chipkarte an. Dann bekommt der ARAL-LKW die ARAL-Additive. Und der Fahrer eines Esso-Lkw sorgt mit seiner Chipkarte dafür, dass dem Standardbenzin Esso-Additiv zugesetzt wird. An insgesamt zehn Zapfsäulen von ARAL, Jet und verschiedenen freien Tankstellen nehmen wir Proben. Damit zufällige Verschmutzungen des Tankrüssels die Proben nicht verfälschen, kommt der erste Liter immer in einen speziellen Kanister. Dann füllen wir jeweils zwei Behälter mit genau vier Litern Superbenzin; jeder Kanister wird sofort verschlossen und versiegelt. Die Proben werden bei der Petrolab GmbH untersucht. Die Firma betreibt das größte unabhängige Labor für Treibstoffqualitätskontrolle und prüft unsere Proben auf insgesamt 22 verschiedene Kriterien. Ein spezieller Motor misst beispielsweise das Motorklopfen und damit die Oktanzahl. Das Labor sucht auch nach Verunreinigungen durch alte Tanks oder Schlampereien beim Transport. Und ein Teil des Benzins wird verdampft. Was übrig bleibt, sind die berühmten Additive. Während das unabhängige Labor misst, haben wir noch eine spezielle Aufgabe für das ARAL-Labor in Bochum: Wir bringen drei unserer Proben dorthin, aber nur eine davon stammt von ARAL. Erkennen die ARAL-Experten ihren eigenen Sprit? Als erstes kommen die Proben auch hier in den Klopfmotor. Doch dabei gibt es noch keine größeren Auffälligkeiten. Als nächstes wählt ARAL zum Nachweis der besonderen Qualität einen Test auf Schmierfähigkeit. Auch dabei gibt es keinen messbaren Qualitätsunterschied. Der erste Unterschied zeigt sich beim sogenannten Abdampftest, bei dem am Ende die Additive übrig bleiben. Die werden dann aufs Milligramm genau gewogen. Und tatsächlich nach der schlussendlichen chemischen Analyse: Das ARAL-Labor findet die richtige Probe, erkennt also den eigenen Sprit wieder. Ein Zufallserfolg? Das soll uns jetzt das Petrolab sagen. Zehn Proben hatten wir dort eingereicht, nur vier stammten von ARAL. Gibt es wirklich Qualitätsunterschiede ? bei den Additiven oder zum Beispiel bei Verunreinigungen? Keines der Muster zeigte Verunreinigungen in Form von separiertem Wasser, festen Fremdstoffen, Rost oder Vermischung mit Dieselkraftstoffen. Wenn man ranken möchte, dann kann man das dahingehend machen, dass man die Additivierung vergleicht. Diese Additivierung nimmt man gemeinhin mit 20 Milligramm pro 100 Milliliter Abdampfrückstand an, wobei fünf der Proben unter diesem Wert gefunden wurden. Die restlichen hatten deutlich über 20 Milligramm. Das heißt, die Additivierung war voll ausreichend, zum Teil sehr gut. Von den fünf Proben mit der höchsten Additivmenge stammten vier von ARAL, eine von einer freien Tankstelle. Die Proben mit geringeren Additivmengen stammten von drei freien Tankstellen der Ketten Star und Jet. Alle Proben waren in Ordnung. Doch bei den Additiven hatte ARAL tatsächlich einen Vorsprung. Erstes Checkurteil: Die Spritqualität von ARAL ist hoch. Was viele nicht wissen, die Tankstellenkette ARAL ist inzwischen der viertgrößte Fast-Food-Anbieter bundesweit. Unser zweiter Check heißt deshalb: Wie gut und preiswert sind Shop und Bistro? Jeder hat den Eindruck, dass ein Tankstellen-Shop teurer ist als ein Supermarkt. Aber um wie viel? Mehr als 120 befragte Kunden schätzten im Schnitt, dass die Tankstelle im Vergleich zum Supermarkt um 38,7 Prozent teurer ist. Aber um wie viel teurer ist es wirklich? Zum Test kaufen wir verschiedene Artikel quer durch das Sortiment: Grillwürstchen, Brötchen, einen gemischten Warenkorb mit kleinen Snacks für zwischendurch und mit Dingen, die man etwa beim letzten Großeinkauf vergessen hat. Der Preis für alles zusammen: 102,85 Euro. In einem nahegelegenen Discounter kaufen wir noch einmal exakt die gleichen Artikel. Ergebnis: Was bei ARAL fast 103 Euro gekostet hat, gab es im Discounter für nicht einmal 62 Euro. Anstatt der von den befragten Kunden geschätzten knapp 39 Prozent, beträgt der Aufschlag an der Tankstelle also satte 66 Prozent. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Das Essen im Bistro ist nicht teurer als etwa in einer Bäckerei. Die Brötchen werden als Rohlinge tiefgefroren angeliefert und nach Bedarf aufgebacken. Daraus machen die Angestellten der Tankstelle dann vor allem belegte Brötchen. Die aufwendigeren heißen "Supersnack" und werden auf Wunsch auch warm serviert. Die Rezepte für die Snacks werden in einer eigenen ARAL-Versuchsküche entwickelt. Job der Mitarbeiter hier ist es, die perfekten Zutaten für den perfekten "Supersnack" zu finden. Die fertigen Snackrezepte werden in den Filialen dann eins zu eins, also überall exakt gleich, umgesetzt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Aber trifft der aktuelle "Supersnack" auch den Geschmack der Kunden? Das soll ein Geruchs- und Geschmackstest zeigen. Wir haben eingekauft: im ARAL-Bistro, bei einer großen Kölner Bäckereikette und bei einem kleinen Handwerksbäcker aus einem Kölner Vorort. Von jedem haben wir Brötchen und Baguettes gekauft und mit möglichst ähnlichen Zutaten belegt: Käse, Mett, Thunfisch, Mozzarella, Tomaten und so weiter. Bei jedem Anbieter kauften wir 50 Portionen. Farbige Fähnchen markieren die Herkunft. Passanten sollen die Produkte der drei Anbieter vergleichen. Jeder Tester darf sich für einen Belag entscheiden und dann die drei Varianten probieren. Natürlich weiß keiner von ihnen, welches Fähnchen für welchen Hersteller steht. Erst am Ende wird aufgedeckt, welches Brötchen von wo kam. Jede Probe, die als beste bewertet wird, erhält zwei Punkte. Die zweitbeste Probe bekommt noch einen Punkt, die am schlechtesten bewertete Probe keinen Punkt. Das Ergebnis: Der Handwerksbäcker erhielt 42 Geschmackspunkte, die Bäckereikette 44 Punkte und ARAL behauptete mit 48 Geschmackspunkten den Spitzenplatz. Zweites Checkurteil: Der ARAL-Shop ist teuer, aber die Bistroprodukte sind gut. Die deutsche Marke ARAL ist inzwischen in britischer Hand. Seit sieben Jahren ist ARAL eine hundertprozentige Tochter von BP. Das merkt man auch beim Betreten der Zentrale in Bochum. Innen ist statt ARAL-blau fast alles grün ? BP-Grün. Der Pressesprecher empfängt uns zum Besuch einer umstrittenen Abteilung. Dort werden die Benzinpreise gemacht ? nach rein wirtschaftlichen Zwängen, wie der Pressesprecher erklärt: "Das ist einmal der Rohölpreis, weil daraus werden ja schließlich speziell Super, Diesel und andere Produkte hergestellt. Es ist aber auch der Dollar-Euro-Wechselkurs, weil Rohöl und Rohölprodukte in Dollar gehandelt werden. Und drittens sind es dann die Angebots- und Nachfragebedingungen bei dem Produktpreis." Diese Erklärung für letztlich steigende Preise scheinen viele Kunden nicht wirklich zu glauben. Unser dritter Check daher: Wie funktioniert die Preisbildung? Die Wut der Kunden landet immer wieder bei Leuten wie Tankwart Ralf Schäfer, der in Rösrath bei Köln aufpasst, dass niemand wegfährt ohne zu bezahlen, der kassiert und sich zwischendurch noch um das Bistro und um die Preise kümmert. Dabei hilft ihm das ARAL-Computersystem "ROSIplus" und die Tatsache, dass die benachbarte Tankstelle von Jet ihre Preise im Internet veröffentlicht. "Wir überprüfen jetzt die Preise mit den Konkurrenten. Und wenn der Preisabstand zu groß ist, dann werde ich eine E-Mail an Bochum, an unsere Zentrale, senden, die daraufhin reagieren wird und die Preise anpassen." Diesel kostet in der Nachbarschaft gerade 1,389 Euro, drei Cent weniger als bei ARAL. Im Preisbildungsraum der Bochumer Zentrale sitzen rund zwei Dutzend Menschen hinter Computermonitoren. Wann immer ein ARAL-Tankwart für eine Nachbartankstelle eine Preisänderung anzeigt, erscheint sie dort auf dem Monitor. Nur ein kleiner Zettel aus dem Kassensystem kündigt dem Tankwart dann die Preisänderung an. 30 Minuten, nachdem man die Preissenkung bei der Konkurrenz gemeldet hatte, geht auch der Preis bei ARAL in Rösrath runter. Martin Richter, Experte von der Factsoft AG, versucht die Preisbildung der Ölkonzerne zu durchschauen. Auf dem Server seines Internetportals Benzinpreis.de gehen seit Jahren täglich Tausende Preismeldungen ein. Seine Erfahrung: ARAL und Co. werden im Vorgehen immer gewiefter: "Wir sehen natürlich, dass jede Tankstelle und jeder Anbieter versucht, seinen Preis zu optimieren - mit verschiedenen Methoden." Beispiel Köln: Über mehrere Wochen beobachtet der Markencheck rund um die Uhr die Preise von Superbenzin an acht ARAL-Tankstellen: ein wildes Auf und Ab. Meistens geht abends der Preis hoch und im Laufe des Tages wieder runter. Und noch etwas fällt auf: örtliche Preisunterschiede. So gibt es zum Beispiel an einem Samstag innerhalb weniger Kilometer einen Preisunterschied von sechs Cent. ARAL hat dafür eine einfache Erklärung: andere Tankstellen, die in einzelnen Stadtteilen massiv die Preise drücken. Es ist übrigens gesetzlich verboten, Benzin unter Einstandspreis, also mit Verlust zu verkaufen. Der Benzinverkauf wird also schon von Gesetzes wegen nicht zum Zuschussgeschäft. Trotzdem hebt ARAL oft montagabends die Preise drastisch an. Entsprechend müsste auch der Gewinn pro Liter steigen. Doch diese Rechnung ist ARAL laut Angaben des Pressesprechers zu einfach: "Wir machen nur dann zehn Cent Gewinn, wenn ein Kunde kommt und für diesen Preis tanken würde. Das findet in den ersten Stunden kaum statt." Heißt das: Aral erhöht drastisch die Preise und nimmt in Kauf, dass danach niemand mehr tankt, weil die Kunden zur Konkurrenz flüchten? Kaum: Die Konkurrenz hat jetzt auch die Chance zur Preiserhöhung ? und nutzt sie auch. Nach solch einer allgemeinen Preiserhöhungsrunde wären dann alle Preise weit oben. So geht das inzwischen fast wöchentlich. Das stellte das Bundeskartellamt kürzlich in einer Studie zur "Beteiligung der Mineralölunternehmen an Preiserhöhungsrunden" fest, Zitat: "Die Preiserhöhungsrunden beginnen regelmäßig mit einer flächendeckenden Preiserhöhung entweder von ARAL oder Shell." Dahinter steckt System, meint Martin Richter: "Das System funktioniert so, dass versucht wird, den Preis dann hoch zu machen, wenn viel getankt wird und niedrig zu machen, wenn wenig getankt wird. Damit wird ein relativ hoher Gewinn oder eine relativ hohe Optimierung des Gewinns erzielt." Aus seiner Sicht klappt das sogar immer besser: Die Kosten der Konzerne, vor allem die Rohölpreise, sind zwar gestiegen, noch stärker aber stieg seinen Zahlen zufolge der in Raffinerien und Tankstellen anfallende Erlös: von mal viereinhalb auf heute 16 Cent je Liter. ARAL selbst nennt dazu keine Zahlen. Doch auch das Kartellamt stellt fest: Die Konzerne kassieren mehr als bei einem funktionierenden Wettbewerb. Unser drittes Checkurteil: Die Preisbildung erfolgt ausgesprochen raffiniert. |
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